Page 3 - Essen.Informiert Ausgabe Februar 2025
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3 Aktuelles
Februar 2025 Essen.Informiert
Neues Meldeportal: „Report Hate - stoppt Online Hass“
Monika Hurschmann und Anna Saarni unterstützen Kinder und Jugendliche
„Ich bin ein eher zurückhaltender Typ“, er-
zählt der 17-jährige Marcus M. „Das war schon
immer so. Ich chatte oder poste auch nicht
dauernd irgendwas auf WhatsApp, TikTok oder
Insta.“ Das ist inzwischen aber ein Problem. In
seinem Umfeld und in der Schule ist sein Um-
gehen mit dem Thema ungewöhnlich. Es wird
von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern
mit Argwohn betrachtet.
„Wenn Jugendliche sich aus den sozialen Me-
dien zurückziehen, selbst für kurze Zeit, kön-
nen sie schnell sozial isoliert sein“, wissen Mo-
nika Hurschmann und Anna Saarni, Büro für
Internationale Jugendarbeit.
Das hindert viele daran, einfach mal auszu-
steigen, um der Dauerbelastung zu entkom-
men. Vor allem bei TikTok ploppen Infos im Se-
kundentakt auf - auch Falschinfos, Hass und
Hetze. Undemokratische Staaten, extreme Par- Mit dem Meldeportal können sich Kinder und Jugendliche gegen Hassmeldungen in den sozialen Medien zur Wehr setzen.
teien oder Religionsgemeinschaften versuchen, Das Portal prüft die Fälle und erstattet ggf. Anzeige bei der zuständigen Polizeibehörde. Foto: Dirk-R. Heuer, Stadt Essen
Jugendliche und Erwachsene durch einfache sie zu übernehmen.“ Das sei der Weg, wie zu- wehren.“ Es gebe mit „Respect!“ außerdem eine
oder falsche Botschaften für ihre Zwecke zu nehmend Hass und Hetze gegen Minderheiten nationale Meldestelle in Deutschland. Auch
missbrauchen. oder die Demokratie geschürt werden. Bislang dort können die Nutzenden Fälle melden. Die
Soziale Medien verstärken waren die Betro enen hilflos. Doch das ändert Seite ist unter: www.meldestelle-respect.de er-
reichbar. Erkennen die juristischen Fachkräfte
sich. Mit dem EU-geförderten ERASMUS+-Pro-
Hetze durch Algorithmusfalle jekt „Report Hate“, koordiniert von der Jugend- des Portals strafrechtliche Möglichkeiten (z.B.
agentur gGmbH, steht nun eine europäische Gewaltdarstellungen, Volksverhetzung etc.),
„Wer solche Nachrichten anklickt, sie mit ei- Meldestelle gegen Hass und Hetze zur Verfü- gehen die Infos an das Bundeskriminalamt. Das
nem Like versieht oder weiterleitet, gerät dann gung. Dort können Hassreden, Hetzkommenta- leitet sie an die zuständigen Polizeidienststel-
schnell in die Algorithmusfalle. Soziale Medien re und Diskriminierungen hingeschickt werden. len und Staatsanwaltschaften weiter.
versuchen, die Menschen so lange wie möglich „Die Nutzung ist einfach und schnell gemacht“, Bei Beleidigungen müssen die Betro enen al-
auf ihren Seiten zu halten, um Werbeeinnah- sagen Monika Hurschmann und Anna Saarni. lerdings selbst vor Ort eine Anzeige stellen. Fal-
men zu erzielen. An einer ausgewogenen Infor- Betro ene gehen einfach auf die Seite: len Äußerungen nicht unter das Strafrecht,
mation sind sie nicht interessiert“, erklären die www.report-hate.org/de/. Für die Meldung von zeigt die Meldestelle Wege auf, sich dennoch
beiden Expertinnen der Internationalen Ju- Hass-Postings und Co benötigten die Experten zu wehren. „Mit den Portalen endet die Macht-
gendarbeit. Das bedeute, dass Algorithmen dort eine E-Mail-Anschrift, entweder die eige- losigkeit, die viele Betro ene fühlen. Sie die-
(kleine Suchprogramme) die Vorlieben der Nut- ne oder die anonyme Anschrift, die dort ange- nen auch dazu, das Bewusstsein zu scha en,
zenden ständig untersuchen. Tauchen be- geben ist. Im letzteren Fall erhalten die Nut- sich gegen Hass und Hetze zu wehren“, beto-
stimmte Sätze, Worte, Vorlieben oder Seiten zenden dann natürlich keine Rückmeldung nen die beiden.
bei Nutzenden immer wieder auf, suchen die über das Ergebnis. Im nächsten Schritt wird der Weitere Informationen zur Internationalen
sozialen Medien gezielt nach ähnlichen Inhal- Screenshot der entsprechenden Meldung ange- Jugendarbeit des Jugendamtes der Stadt Essen
ten. Die schicken sie dann an die jeweiligen hängt und schon kümmert sich die Meldestelle. geben Monika Hurschmann:
Nutzenden. „Damit besitzen Kinder, Jugendliche und na- monika.hurschmann@jugendamt.essen.de, Tel.:
„Da besteht schnell die Gefahr, bestimmte türlich auch Erwachsene, endlich eine gute 88-51817, und Anna Saarni: Tel.: 88-51812,
Anschauungen nicht mehr zu hinterfragen und Möglichkeit, sich gegen Hass und Hetze zu Mail: anna.saarni@jugendamt.essen.de.
„Holen wir uns das Netz zurück: Bloggen gegen Rassismus“
Einschüchtern gilt nicht: Meinungsvielfalt und Demokratie im Netz
„In digitalen Zeiten sind wir als Gesellschaft wie man sich dieser Entwicklung entgegenstel-
zunehmend mit rassistischer Hetze in sozialen len kann. Soziale Netzwerke bieten die Platt-
Netzwerken konfrontiert. Aus Angst vor Hass- form und das Potenzial, den Haterinnen und
rede beteiligt sich beinahe die Hälfte der Inter- Hatern Paroli zu bieten. Die Lesung bestärkt
netnutzerinnen und Internetnutzer seltener an darin, bei Hass im Netz nicht wegzusehen und
politischen Diskussionen im Netz. Dies gefähr- die Kommentarspalten zu ignorieren, sondern
det die Meinungsvielfalt und die Demokratie“, die Debattenkultur in den sozialen Medien
warnt der Politikwissenschaftler und Journalist mitzugestalten.
Said Rezek. Los geht es in der Volkshochschule (VHS) Es-
Er will in seinem Vortrag „Bloggen gegen sen, Burgplatz 1, am Donnerstag, 27. Februar,
Rassismus - Holen wir uns das Netz zurück“ ab 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos Informationen über Hass und Hetze gibt Said Rezek. Der
Journalist zeigt Wege auf, Hass und Hetze wirksam zu be-
sensibilisieren. Interessierte erhalten Hinweise, und Anmeldung unter: www.vhs-essen.de. gegnen. Foto: Privat