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JUNG IN ESSEN
In Anne Beckers Romanen gibt es Jungs, die Ballett tanzen
(links) oder Schwierigkeiten beim Lesen haben (rechts).
erinnert sie sich. Zwischenzeitlich führt das Leben sie zurück nach
Essen. In einer Schreibgruppe schreibt sie Geschichten, zunächst
für Erwachsene, schließlich welche, die im Milieu ihrer Schule an-
gesiedelt sind. Ihr erstes Manuskript wird für den Oldenburger Kin-
der- und Jugendpreis nominiert. „In Oldenburg kann man Manu-
skripte einreichen und braucht kein fertiges Buch“, erklärt sie. Doch
kein Verlag interessiert sich dafür. Aber mit ihrem zweiten Manu-
skript über einen Jungen, der großartig schwimmen, aber schlecht
lesen kann, hat sie mehr Glück. 2019 wird „Die beste Bahn meines
Lebens“ veröffentlicht. 2020
gewinnt Anne dafür den För-
derpreis des „Literaturpreises
Ruhr“. „La più bella nuotata
della mia vita“ erscheint so-
gar in Italien. Als Sarah später
ein Manuskript in Oldenburg
einreicht und nicht gewinnt,
schreibt der Oberbürgermeis-
ter ihr, aus Anne Becker sei ja
auch etwas geworden. „Anne
war mein Trostpreis“, lacht
Sarah. „Dafür ist dein Skript
heute ein Buch und meins
liegt noch in der Schubla-
de“, kontert Anne. 2023 und
24 erscheinen Annes Bücher
„Luftmaschentage“ und „Milo
tanzt“. Anders als Sarahs Bü-
cher richten sich Annes Wer-
ke bereits an 10-Jährige.
Autorin Anne Becker ist auch mit Leib und Seele Lehrerin an einer Förderschule.
Alle ihre Romane sind Schullektüre –
Anne Becker bei einer ihrer zahlreichen
Seitdem treffen sich die drei Autorinnen regelmäßig, wenn sie können. Dann sprechen Lesungen.
sie über ihre Arbeit und alles andere. „Eigentlich sind wir nämlich eine Selbsthilfegrup-
pe“, lacht Sarah. „Aber wir gehen auch zusammen Minigolf spielen, in der ‚Heimlichen
Liebe‘“, wirft Anne ein. Mit der hatte Sarah eine Zeit lang ein Schreibbüro, aber Sarah
schreibt lieber im Café, wie hier, Anne macht das lieber in Ruhe zu Hause.
Sie ist die Einzige in der Runde, die gebürtige Essenerin ist. 1975 erblickt sie hier das
Licht der Welt und zieht sogleich weiter mit ihrer Familie an den Niederrhein. Später
absolviert sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in Baden-Württemberg. Anders als für Sa-
rah, ist für sie hier schon klar: „Das passt zu mir und das kann ich gut!“ Also bleibt sie
in Süddeutschland und studiert in Heidelberg Sprachbehindertenpädagogik. „Sich mit
Sprache zu beschäftigen, hat mir gefallen“, erklärt sie. Bereits 1999 bewirbt sie sich am
Literaturinstitut Leipzig und wird zum Gespräch eingeladen. „Du wurdest nach Leipzig
eingeladen?“, prustet es aus Kathrin und Sarah ungläubig heraus. „Ja“, sagt sie selbst-
bewusst, „aber ich hab‘ mich während des ganzen Gesprächs unwohl gefühlt“, setzt sie
nach. Sie wird dann auch nicht genommen. „Ich wurde Lehrerin, was ich sehr gern bin“,
strahlt Anne. „Was ich nicht gut konnte, war mit zwei kleinen Kindern zu Hause bleiben“,
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