Page 45 - EMG Stadtmagazin Sommer 2026
P. 45

WIRTSCHAFT




                                                    Pforte ins Unternehmer-    puterprogramm Unternehmen vorstellen,
                                                    tum: die Universität       gehen Ideen über den Druck hinaus. Be-
                                                    Duisburg-Essen.            sonders Möbelhäuser interessieren sich für
                                                                               GenerIO. Oft bieten die Einrichtungsläden
                                                                               in Online-Shops die Möglichkeit, Produkte
                                                                               in einer virtuellen Realität auszuprobieren.
                                                                               Bislang mussten Couches und Co. aufwen-
                                                     „dass  die  Idee  einfach  in  der   dig und teuer modelliert werden. Dank Ge-
                                                     Schublade verschwindet“. Zu   nerIO braucht es künftig nur noch wenige
                                                     groß ist das Potenzial, ein Kas-  Fotos  vom  Objekt. Für Handwerker  soll  es
                                                     senschlager zu werden.    sogar möglich werden, eigene Ersatzteile zu
                                                     Gemeinsam mit Universitäts-  produzieren.
                                                     professor Stefan Schneegass,   Bis die Software für millimetergenaue An-
                                                     seinem Forscherkollegen Dr.   wendungen infrage kommt, liegt noch viel
                                                     Jonas Auda sowie den Studen-  Entwicklungsarbeit vor dem Gründerteam,
                                                     ten Metehan Ertas und Niklas   das eine klare Vision hat: „Wir möchten
                                                     Pfützenreuter gründet Grüne-  Mehrwert bieten“, gibt Grünefeld mit brei-
                                                     feld Anfang 2025 das Start-up   ter Brust und glänzenden Augen vor. „Und
                                                     GenerIO.                  Mitarbeiter einstellen, die von ihrem Gehalt
                                            Das akademische Quintett macht einfach,   ein gutes Leben führen können.“
                                            was kompliziert und teuer klingt: Aus Fotos,   Arbeitsplätze, von denen insbesondere Es-
                                            Gedanken und  Skizzen  entstehen  mithilfe   sener profitieren würden. In seiner Vorstel-
                                            einer  selbst  entwickelten  Software  in  we-  lung bleibt das Unternehmen natürlich dem
                                            nigen Minuten dreidimensionale Entwür-  Gründungsstandort treu. Ist irgendwann
                                            fe. „Ich kann etwas auf eine Serviette krit-  dann das eigene Bürogebäude gebaut, hat
                                            zeln und daraus einen realen Gegenstand   es  das  GenerIO-Team  um  Grünefeld  end-
                                            machen“, lässt Grünefeld die ausgefeilten   gültig geschafft. „Mit ein paar Etagen“, tag-
                                            Computerberechnungen leicht klingen.   träumt er. Damit die Vision ein Stück näher
                                            Ein Modellbauer kann mit GenerIO eige-  rückt, durchläuft GenerIO gerade ein Start-
                                            ne Miniaturen entwerfen. Eltern verwan-  up-Programm der EWG – Essener Wirt-
                                            deln die Zeichnungen ihrer Kinder in echte   schaftsförderung.
                                            Spielzeuge. Bastler stellen ihre eigene Woh-  Aus dem ostfriesischen Kinderzimmer in
                                            nungsdeko her.                     die Chefetage: Dr. Uwe Grünefeld will hoch
                                            Weil es so viele denkbare Anwendungszwe-  hinaus. Ganz nebenbei hat er sein Kind-
                                            cke gibt, hofft das Gründerteam auf das gro-  heitsziel,  auf  dem  heimischen  Bauernhof
                                            ße Geschäft. „Auch, weil 3D-Drucker nicht   zu helfen, schon erreicht. „Es klingt banal“,
                                            mehr  teuer  sind“,  wie  Grünefeld  weiß.  Mit   meint der Unternehmer, aber: Kühe, die
                                            ihnen lassen sich die am Computer entwor-  besonders viel Milch produzierten, ehrten
                                            fenen Objekte herstellen. Auch in frei zu-  seine Eltern mit einer Figur im heimischen
                                            gänglichen Werkstätten stehen oft 3D-Dru-  Wohnzimmer. 700 Euro fielen für diese Tra-
                                            cker – sogenannte Makerspaces.     dition schon einmal an. Grünefeld lächelt:
                                            Wenn Auda, Grünefeld, Ertas, Pfützenreuter   „Das könnten wir mit GenerIO jetzt einfach
                                            und Schneegass ihr ausgeklügeltes Com-  selbst machen – und viel günstiger.“




          nie erwartet hätte, dass es von hier stammt“,   Beim Essener Wissenschaftssommer erleben, wie Essen von Wissenschaft profi-
          meint der Tech-Enthusiast.        tiert: Wenn Unternehmen in Universitäten entstehen, nennt sich das „Ausgründung“.
          Die  Essener  Forschungswelt  bietet  genau   Die EWG – Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH sieht darin Chancen.
          die richtige Umgebung, sich der Künstli-  Weil sie direkt aus aktuellen Forschungserkenntnissen entstehen, haben Geschäfts-
          chen Intelligenz zu widmen. Als gestande-  ideen von Studenten und Wissenschaftlern oft große Erfolgsaussichten. Ihre schnell
          ner Wissenschaftler versteht Grünefeld jetzt   wachsenden Start-ups schaffen Arbeitsplätze. „Ausgründungen“ zu fördern, ist da-
          schließlich jedes Buch über KI.   her besonders für einen lebendigen Wissenschaftsstandort wie Essen wichtig. Wer
          Grünefeld mausert sich nicht nur vom   erleben möchte, wie innovativ die Essener Wissenschaftsszene ist, sollte sich den
          Nordlicht zum Pottler, der vom grünen    18. bis 28. Juni 2026 dick im Kalender markieren. Der Essener Wissenschaftssom-
          Essen oder vom Baldeneysee schwärmt – er   mer gewährt dann einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Ob Tag der offenen Tür,
          tauscht auch den Hörsaal gegen das Chef-  Experimentalvortrag, Talkrunde oder Science Slam – die vielfältigen und kostenlo-
          zimmer. Als sich ein Forschungsprojekt an   sen Veranstaltungen stellen der breiten Öffentlichkeit Wissenschaft und Forschung
          der  Universität  Duisburg-Essen  dem  Ende   „made in Essen“ auf unterhaltsame und leicht verständliche Art vor. Mehr Infos unter
          neigt, will der Wissenschaftler vermeiden,   wissenschaftsstadt-essen.de


                                                                                                                | 45 |
   40   41   42   43   44   45   46   47   48   49   50