Page 41 - EMG Stadtmagazin Sommer 2026
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KULTUR
                                                                                  WIR


                                            mik entwickelt, sobald etwas geschieht, das  SCHAFFEN
                                            le“  ist  von  Anfang  an  klar,  dass  die  eigen-
                                            willige Dorfgemeinschaft eine fatale Dyna-

                                            gedroschen, traut man ihm fortlaufend eine  FREIRÄUME
                                            nicht ins engstirnige Weltbild passen will.
                                            Und doch wirkt der Film an keiner Stelle ab-

                                            unerwartete Wendung zu, so überzeugend
                                            ist Sandra Hüller in ihrer Darstellung der   FÜR HANDEL & GEWERBE
                                            komplexen Figur Rose. Für die erhielt sie
                                            gerade auf der Berlinale den Silbernen Bä-
                                            ren als beste Darstellerin. Genau wie Rose
                                            selbst, hält der Zuschauer zwischenzeitlich
                                            alles für möglich. Hüllers Herr, der eigent-
                                            lich Rose ist, spricht nicht mit verstellter
                                            Stimme, bedarf keines angeklebten Barts, er
                                            ist zu jeder Zeit beides, Mann, Frau, unsym-
                                            pathisch und sympathisch, unnahbar und
          Rose (r.) mit Großbauer und Schwiegerva-  nahbar, aber vor allem eines, glaubwürdig,
          ter Godehard Giese, der gerade in Essen in   ohne dass es sich merkwürdig anfühlt. Und
          der „Snowdance“-Jury saß.         damit setzt sich „Rose“ von anderen Fil-
                                            men mit Frauen in Hosenrollen ab. Doch
          Es ist das 17. Jahrhundert irgendwo in   nicht nur Hüllers Spiel sorgt dafür, dass
          einem Dorf im deutschen Wald. Ein Herr   dieser Film anders ist. Durch Schleinzers
          (Sandra Hüller) kehrt aus dem 30-jährigen   erfrischenden Verzicht auf alle gängigen in
          Krieg zurück. Sichtlich versehrt. Eine Er-  einer solchen Geschichte zu erwartenden
          zählstimme stellt ihn dem Zuschauer als   Szenen bleibt die Erzählung unvorherseh-
          Rose vor. Laut Urkunde ist er der Erbe eines   bar, und Rose vermag zumindest filmisch
          lange verlassenen Gutshofs. Die Dorfge-  ihre Würde zu behalten. „Rose“ ist ein Film,
          meinschaft ist misstrauisch, doch das Geld   auf den man sich einlassen muss, und soll-
          des mysteriösen Fremden mit dem entstell-  te. Wem nach einfacher Unterhaltung ist,
          ten Gesicht hilft schnell darüber hinweg.   ist hier nicht richtig. Trotzdem ist „Rose“
          Rose  ist  fleißig  und  erfolgreich  und  denkt   weder anstrengend noch, obwohl im 17.
          zum ersten Mal nicht mehr nur ans Über-  Jahrhundert angesiedelt, aus der Zeit ge-
          leben, sondern ans Leben. Sie will den Hof   fallen. Geschlechtliche Machtverhältnisse,
          vergrößern und Land hinzukaufen, doch   Täuschung und Queerness sind knapp 400
          der Großbauer, gespielt von Godehard Gie-  Jahre später aktuelle Themen unserer Zeit,
          se („Babylon Berlin“), will nicht verkaufen.   denen  man  sich  dank  einer  kurzweiligen
          Er schlägt dem Herrn einen Handel vor: Er   Erzählweise, hübschen Bildern  und einer
          bekommt das Land, wenn er dessen Toch-  erneut großartigen Sandra Hüller ohne zu
          ter Suzanna (Caro Braun) heiratet. Der Herr   zögern stellen darf. Ab 30. April im Kino.
          willigt ein. Doch der Großbauer setzt ihn
          nach der Hochzeit unter Druck, zur Heirat   Preview am 27. April
          gehört auch die Fortpflanzung. Auf wunder-  anschl. Filmgespräch mit Sandra Hüller
          same Weise gelingt auch dies. Rose scheint   und Regisseur Markus Schleinzer als Live-
          einen Weg gefunden zu haben, in Freiheit   Übertragung von der Premiere in Leipzig
          zu leben – bis eine Biene das Blatt wendet.   Filmstudio Glückauf
          In großartig fotografierten Schwarz-Weiß-  filmspiegel-essen.de
          Bildern erzählt Regisseur und Autor Markus
          Schleinzer seine Geschichte. Diese baut er
          auf einer ganzen Reihe von historisch be-      Nicos Fimtipp
          legten Fällen dieser Art auf und mischt ein    EMG-Filmexpertin Nicola
          wenig der Geschichte des französischen         Schwedt realisiert alle
          Kriegsheimkehrers  Martin  Guerre bei,  die    touristischen Filmpro-
          bekannt ist aus diversen Romanen und Ver-      jekte der Stadt Essen.
          filmungen, unter anderem „Sommersby“.          Sie gehört zum Team
          So eigentümlich die reduzierte Erzählweise   des Snowdance Independent Film
          in  den  ersten  Momenten  wirkt,  so  schnell   Festivals. Als Partnerin der Film- und
          zieht die Geschichte den Zuschauer in ihren   Medienstiftung NRW kümmert sie
          Bann. Ähnlich wie in Michael Hanekes „Das   sich außerdem um Film- und Fernseh-   Neukircher Mühle 45 | 45239 Essen
          weiße Band“ oder Lars von Triers „Dogvil-  produktionen in Essen.       Telefon 0201. 560 50 80
                                                                                  kontakt@schulte.immo
                                                                                  www.schulte.immo
                                                                                                                | 41 |
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