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SPORT




          Während andere in Essen den Tag erst sor-  Und es ist  nicht der einzige Eintrag: AIDA   Methode. Wer beim Freitauchen besser
          tieren, hat Jennifer Wendland den ersten   Deutschland führt Jennifer Wendland unter   werden will, muss lernen, mit Stress umzu-
          Trainingsblock meist bereits  erledigt.  Da-  anderem auch  als  deutsche  Rekordhalte-  gehen – und zwar radikal. „Man muss sich
          nach  wartet  der Schreibtisch – und spä-  rin in Free Immersion (FIM) mit 88 Metern   selber besser kennenlernen und wirklich
          ter wieder das Wasser. „Der Tag fängt mit   (2020) sowie in Constant Weight (CWT) mit   lernen, sich auf das zu fokussieren, was in
          Training an, dann kommt Arbeit, und dann   102 Metern (2022) und in Constant Weight   dem Moment wichtig ist.“ Angst dürfe unter
          kommt wieder Training“, sagt sie ganz   No Fins (CNF) mit 60 Metern (2023). Dass   Wasser nicht übernehmen, sagt sie. Und ge-
          nüchtern. Diese klare Ruhrpott-Art prägt   Wendland in mehreren Tiefen-Disziplinen   nau das macht die Sportlerin auch im Alltag
          sie: konsequent, bodenständig – und mit   oben steht, erklärt, warum die Freitauche-  bemerkbar. Wendland beschreibt sich als
          einem Ziel, das deutlich größer ist als jeder   rin in der Szene längst als eine der prägen-  eher ruhig, mit „höherer Achtsamkeit“ für
          normale Feierabendplan.           den deutschen Athletinnen gilt. Weltweit   sich selbst. Das kann ein Vorteil sein – und
          Wendland ist ein Kind des Ruhrgebiets:    sind die Grenzen inzwischen weiter nach   manchmal auch andere „auf die Palme trei-
          geboren in Marl, aufgewachsen in Herten –   unten verschoben worden: AIDA führt ak-  ben“, „wenn ich noch entspannt bin, wäh-
          und seit fast elf Jahren zu Hause in Essen.   tuell in CWTB eine Frauen-Bestmarke von   rend überall das Chaos ausbricht“.
          Hergeführt  hat  sie  der  Job.  Erst  bei  RWE,   111 Metern.       Rund 20 Stunden Training pro Woche kom-
          arbeitet sie heute bei E.ON im Energiever-  Gerade weil ihr Alltag alles andere als ruhig   men in Hochphasen zusammen – im Winter
          trieb. Ein klassischer 9-to-5? Ja – nur, dass   ist, wird Ruhe für Jennifer Wendland zur   eher  mehr,  im  Sommer  bewusst  weniger,
          bei ihr vor und nach dem Arbeitstag die   Technik. Sie ist nicht nur Gefühl, sondern   um das Nervensystem zu entlasten. Trai-
          zweite Karriere wartet: Freitauchen (Free-
          diving), Leistungssport in einer Disziplin,
          die in erster Linie eines verlangt: Ruhe.
          Zum Wasser hatte Jennifer Wendland schon
          früh eine besondere Nähe. Als Jugendliche
          war die Essenerin im Leistungsschwimmen
          aktiv, später kam im Studium Unterwasser-
          rugby dazu – in Duisburg entdeckte Wend-
          land, dass sie „sehr gut die Luft anhalten
          kann“. Irgendwann stieß die Taucherin da-
          rauf, dass Luftanhalten ein eigener Sport ist.
          Ein Anfängerkurs um 2010 wurde zum Start-
          punkt einer Entwicklung, die Wendland bis
          in die Weltspitze führte. Entscheidend war
          nicht das Bahnenschwimmen, sondern der
          Moment, als es „wirklich in die Tiefe ging“:
          „Wunderschön, blau und die Tiere“ – und
          gleichzeitig ein Zustand, den man im Alltag
          selten findet. „Das hat mir auch so eine un-
          glaubliche Ruhe gegeben, weil ich dann nur
          mir selbst verantwortlich bin.“
          Wer ihre Laufbahn einfach als „Sport ne-
          benbei“ abtut,  übersieht  den  Rekord-Wert
          dieser Essener Routine. Am 2. Juli 2021
          tauchte Wendland bei den AIDA Limassol
          Depth Games in Zypern in der Disziplin
          „Constant Weight with BiFins“ (CWTB) auf
          93 Meter – ein AIDA-Weltrekord, der damals
          international für Aufmerksamkeit sorgte. In
          Deutschland steht diese Marke bis heute als
          nationaler Rekord in den Listen von AIDA
          Deutschland.
          Wichtig ist dabei: CWTB heißt, sie geht
          mit zwei Flossen an einem Seil in die Tiefe
          und kommt aus eigener Kraft wieder hoch
          – ohne am Seil zu ziehen, ohne Ballast zu
          verändern. Eine Disziplin, in der man nicht
          gegen die Tiefe „ankämpft“, sondern in der
          jede unnötige Spannung teuer wird. Ge-
          nau deshalb passt sie so gut zu Wendlands                  E.ON am Brüsseler Platz: Im Foyer ihres 9-to-5-All-
          Ansatz:  ruhig  bleiben,  Ressourcen  sparen,              tags – ein Kontrast zur Tiefe, der zeigt, wie sie beides
          sauber arbeiten.                                           verbindet.


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