Page 70 - EMG Stadtmagazin Sommer 2026
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LIFESTYLE
Die Essener Innenstadt ist schon heute der
Ort, an dem die Stadt zusammenkommt.
Genau dort setzt das Projekt „Grün-blaues
Innenstadtband“ aus dem neuen Innen-
stadtkonzept „Zukunft.Essen.Innenstadt”
an, indem die zentrale Achse zwischen
Kettwiger Straße und Viehofer Straße wei-
terentwickelt und neu gestaltet werden soll
– klimaangepasst, lebendig und mit mehr
Aufenthaltsqualität.
Im Gespräch beschreibt Marco Eißing die
Grundidee so: Es gehe darum, die Frage zu
stellen, „wie die Fußgängerzone sich zu-
kunftsfähig weiterentwickeln kann“. Sein
Bild dafür ist eingängig: „von Grau zu Grün
und Blau“ – aber ausdrücklich passend in Wie könnte sich die Kettwiger Straße / Am Glockenspiel ver-
Bezug auf die spezifischen Anforderungen ändern? Diese Visualisierung aus der frühen Projektphase zeigt
einer Innenstadt. Also kein Park mitten in keine finale Planung, sondern einen möglichen Eindruck der
der City, sondern eine urbane Lösung für Zukunft.
Essen, die Atmosphäre schafft und trotz-
dem zum Ort passt.
Genau darin liegt der Reiz des Projekts. Die
Innenstadt soll nicht neu erfunden werden, Was die Innenstadt künftig zusätzlich können soll, klingt vielver-
sondern ihre Stärken künftig noch deut- sprechend: mehr Grün, mehr Schatten, mehr Aufenthaltsorte und
licher zeigen. Eißing nennt sie „die Mit- punktuell auch Wasser. Für Eißing ist das mehr als Dekoration.
te“, „den Ort, wo Gesellschaft zusammen- Wasser könne gleichzeitig Atmosphäre schaffen, spielerisch wirken
kommt“. Umso wichtiger ist die Frage, wie und gerade im Sommer einen echten Unterschied machen.
dieser zentrale Raum in Zukunft wirken Auch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger hat diese Rich-
soll: offener, angenehmer, identitätsstiften- tung bestätigt. Laut Eißing drehte sich im Kern vieles um eine Stei-
der – und so gestaltet, dass man nicht nur gerung der Aufenthaltsqualität, erweiterte Begrünung und Schaf-
durchläuft, sondern gern bleibt. fung von Verweilorten ohne Konsumzwang. Menschen wünschen
Dazu läuft derzeit ein freiraumplanerischer sich Plätze, an denen man einfach sitzen, schauen, reden und Zeit
Wettbewerb, den die Stadt Essen europa- verbringen kann. Gerade darin steckt großes Potenzial: für eine
weit ausgeschrieben hat. Mehrere Büros Innenstadt, die nicht nur Einkaufsort ist, sondern öffentlicher Le-
entwickeln Ideen, aus denen ein Konzept bensraum.
ausgewählt werden soll. Eißing spricht Dass es sich um ein zentrales Zukunftsprojekt der Innenstadtent-
von einer „Phase null“, also einem frühen wicklung handelt, zeigt auch der Blick auf die Rahmendaten: Als
Planungsstadium, in dem bewusst breit ge- Leitprojekt mit hoher Priorität ist das Grün-blaue Innenstadtband
dacht wird. Gesucht wird kein Standardent- zusammen mit der Umgestaltung des Marktkirchenumfelds für den
wurf, sondern etwas, das unverkennbar zu Zeitraum 2025 bis 2029 angesetzt, mit einem finanziellen Volumen
Essen passt. von derzeit 7,5 Millionen Euro, von denen 70 Prozent über die Städ-
tebauförderung abgedeckt werden sollen.
Wie anspruchsvoll so eine Planung ist, zeigt der Blick hinter die Ku-
lissen. Feuerwehrzufahrten, Leitungen im Untergrund, Veranstal-
tungen wie der Internationale Weihnachtsmarkt und unterschied-
liche Nutzungen müssen zusammengedacht werden. Eißing bringt
das anschaulich auf den Punkt: Man könne „nicht einfach einen
Baum auf den Willy-Brandt-Platz setzen“, wenn darunter andere
bauliche Strukturen liegen. Genau deshalb wird hier nicht schnell,
sondern gründlich geplant.
Bis erste Veränderungen sichtbar werden, wird es noch etwas dau-
ern. Wenn im Sommer ein Entwurf aus dem Wettbewerb vorliegt,
muss er weiter konkretisiert werden. Ende 2027 oder Anfang 2028
könnte ein Stand erreicht sein, auf dessen Basis die Vergaben zum
Bau vorbereitet werden können; erste Verbesserungen hält Eißing
Marco Eißing, Abteilungsleiter im Amt für ab 2028 oder 2029 für denkbar – Schritt für Schritt. Vielleicht ist ge-
Stadtplanung und -entwicklung, beschäftigt nau das die gute Nachricht: Essen nimmt sich die Zeit, seine Mitte
sich mit der Frage, wie die Essener Innen- mit Qualität weiterzudenken. Am Ende soll ein öffentlicher Raum
stadt grüner, bei Hitze angenehmer und einla- entstehen, der „offen, einladend“ wirkt und Lust macht, sich dort
dender werden kann. aufzuhalten.
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