Page 28 - EMG Stadtmagazin Sommer 2026
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KULTUR




















          Gustave Courbet, Femme endormie aux
          cheveux roux, 1864, Öl auf Leinwand, 56,8
          x 69,9 cm, © Art Cuéllar-Nathan, Schweiz,
          Reto Pedrini

          Der Blick zwischen die Beine einer nackten
          Frau, direkt auf ihr Geschlecht, realistisch
          gemalt – das ist „L’origine du monde“, „Der
          Ursprung der Welt“ – eines der berühmtesten
           Bilder von Gustave Courbet aus dem Jahr
          1866. Bis heute wird es heftig diskutiert. Ist
          das Sexismus oder Feminismus? Das Mu-
          seum Folkwang wird dieses und viele weite-
          re Hauptwerke, wie „Jo, la belle Irlandaise“
          oder „La Falaise d'Étretat“ des bedeutenden
          französischen Malers Gustave Courbet vom
          17. Juli bis 8. November ausstellen. Die gro-
          ße Schau entsteht in Kooperation mit dem
          Leopold Museum in Wien, wo Courbets Bil-
          der aktuell zu sehen sind, und wo sie jüngst
          eben jene Fragen erneut aufwarfen. Doch
          Courbets Weltruhm fußt auf seinem Realis-
          mus in allen Bereichen, in monumentalen
          Landschaften, in seinen beeindruckenden
          Selbstbildnissen und besonders in der Dar-
          stellung der sozialen Realität. Mit innova-
          tiver Technik hielt  er das  Leben  einfacher
          Menschen fest, erschuf Werke mit gesell-
          schaftspolitischem Anspruch und konter-
          karierte so die idealisierende Ästhetik von
          Romantik und Klassizismus. Er wurde zum
          Grenzgänger zwischen Kunst, Gesellschaft
          und Politik. Den ersten Aufschrei in der
          französischen Kunstwelt des 19. Jahrhun-
          derts  verursachte er  mit  seinem  Werk  „Un
          enterrement à Ornans“, „Ein Begräbnis in
          Ornans“, das er 1850 im „Salon de Paris“ aus-
          stellte und damit gleich einen Skandal aus-
          löste, da er mit seiner Darstellung einer All-
          tagsszene auf der großen Leinwand gegen
          die damaligen Regeln der Kunstakademie
          verstieß. Das Großformat war ausschließ-
          lich Szenen aus Religion, Mythologie oder
          Geschichte  vorbehalten. Fünf Jahre später


                    Gustave Courbet, Paysage côtier, 1866,
                 Öl auf Leinwand, 46,2 x 55,6 cm, © Leopold
               Museum, Wien, Foto: Leopold Museum, Wien



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